Quo vadis, Saluki?

 

Betrachtet man Salukis im Jahre 2010, die im Showring vorne stehen, so haben diese Hunde lediglich nur noch eine entfernte Ähnlichkeit mit den Hetzjägern aus dem Ursprungsgebiet.

Hunde mit einer überladenen Befederung, oder gar keiner, mit überwinkelten Gelenken und einem veränderten, salukiuntypischen Charakter sind auf Europas Ausstellungen groß in Mode.

Welcher Orientale sucht sich seinen Jäger schon nach dem dressurpferdeähnlichen Gangwerk aus? Welcher Orientale verschwendet auch nur einen Gedanken an einen Hund, der überhaupt kein Interesse an Jagd zeigt?

Hunde stehen auf Ausstellungen vorne, die wie Schlaftabletten ohne Feuer durch den Ring traben, aber vorn weit ausholen. Daß, wie in einem von mir nicht zum ersten Male beobachteten Fall ein Hund mit seinen Vorderpfoten stark einwärts stand, zudem im Vorderfußgelenk ( fälschlicher Weise Knie genannt ), extrem nach vorn durchbiegig war, BOB ( best of breed ) bekam, ist wieder ein Sargnagel mehr an der wundervollen Rasse. Bei diesem Hund wunderte man sich, daß er anatomisch überhaupt in der Lage war, ohne Sturz zu stehen, geschweige denn zu traben.

Daß häufig der persönliche Geschmack eines Zuchtschaurichters bei gleichwertigen Hunden ausschlaggebend sein darf, ist m.E. auch völlig legal. Doch leider wird auch häufig "das andere Ende der Vorführleine" gerichtet. Oder aber, der Zuchtschaurichter ist selbst mit Ausstellern züchterisch verquickt, und stellt deren Hunde nach vorn, die mit seinen eigenen verwandt und versippt sind. Oder aber, es werden Hunde hochgejubelt, gewinnen, und deren engste Verwandtschaft mit einem anderen Zuchtstättennamen fallen hinten herunter, weil dieser aus irgend einem Grund zur Zeit nicht en vogue ist.

Nun, das ist alles nicht neu. Aber wenigstens gab es ein Gegengewicht bei Windhundrennen. Die Hunde, die hier vorne standen, entsprachen allesamt dem ursprünglichen Typ des Saluki, besser Persischen Tazi, die ja bis zum Ende der 80er Jahre hier unvermischt so existierten.

Ich erinnere aus 1/4 Jahrhundert Renngeschehen nicht einen einzigen erfolgreichen Rennhund, der eine dermaßen starke Winkelung aufwies, wie viele Ausstellungshunde heute. Schlicht und ergreifend, sie KÖNNEN auch gar nicht schnell laufen. Ferner können sie auch keine gescheiten Coursings laufen, weil sie ohne gesundheitliche Spätfolgen auch gar nicht diese manchmal extremen Kurven beherrschen können. Der Grund liegt in der Kraftübertragung, die bei extremer Winkelung zu lang dauert und "nachfedert". Die Folge sind Stürze mit eventuellen Verletzungen, u.a. Dehnungen von Kreuzbändern, also Sehnenschäden. Das kann einen Sehnenfaserriß oder bis hin zum Sehnenabriß bedeuten. Nicht selten werden aber solche Hunde auf Coursings überbewertet, da die Feldrichter die Hunde sehr gut den befreundeten Besitzern zuordnen können. Ich habe selbst neben einem Feldrichter gestanden, der einer Hündin bereits die höchste Punktzahl für seinen Bereich bescheinigte, ohne, daß diese überhaupt schon heran war. Auch habe ich gesehen, wie eine Hündin in der Mitte des Feldes stehen blieb, hin und wieder zaghafte holprige Galoppsprünge in Richtung des ernsthaft jagenden Partners machte, aber ihr Radius betrug nicht mehr, als vielleicht 50m. Doch sie gewann das Titelcoursing! Während ihres Laufes fragte ich die Besitzerin, was denn mit der Hündin los sei, ob sie verletzt ist? Sie war selbst auch sehr unangenehm berührt und in Sorge. Solche Gefälligkeitsbewertungen zielen an dem Qualitätserhalt einer Rasse vorbei. Leider sind solche Erscheinungen häufig Gang und Gäbe.

Hier habe ich lediglich die anatomischen Auswüchse, sowie die Gefälligkeitsbewertungen benannt, die einen Saluki für seine ursprüngliche Aufgabe unbrauchbar machen. Doch das ist nicht alles.

Es geht ganz schnell, daß man Hunden ihre ursprüngliche Mentalität wegzüchten kann. Jahrtausende hindurch gepflegte Eigenschaften gehen nach wenigen Generationen genetisch verloren. Genau so, wie man bei der Epigenetik beschrieben, der Umwelt angepaßte Veränderungen genetisch manifestieren kann, die z. B. der Ergänzung einer Aufgabe oder Fellausstattung dienen. Genau so kann man wichtige Merkmale vernachlässigen oder sogar unterbinden.

Doch was haben wir denn dann? Wir haben Abziehbilder einer vormals bewunderungswürdigen Rasse, die über Jahrtausende zum symbiotischen Zweck als Jagdhelfer für den Jäger gezüchtet, bewundert und respektiert wurde. Ein Hund, der noch nicht einmal in der Lage zu sein scheint, ein im Wind davon getragenes Papiertaschentuch zu jagen, ist lächerlich. Über das, was wir hier heute in den Vordergrund schieben, haben die orientalischen Menschen sicher nur ein müdes Lächeln und Erstaunen über.

Ich frage mich angesichts der vielen Neuzüchter, die alle den gleichen zwei oder drei Ausstellungszüchtern nacheifern, ob sie sich überhaupt über ihr Tun und ihrer Verantwortung bewußt sind.

Entweder, wir schaffen hier einen europäischen ( westlichen ) Salukoiden, oder aber, wir nehmen die Herausforderung an, ein Jahrtausende altes lebendes Kulturgut zu achten, ehren, pflegen und zu bewahren.

Meiner Meinung nach gibt es nur diesen einen ehrlichen Weg.

Dieser Rüde siegte als der schönste Saluki einer Ausstellung. Betrachtet man sein Gangwerk, so fällt auf, daß er "seine Hinterhand verächtlich nach hinten weg wirft". Genau das möchte man gerne bei Afghanen sehen, aber keinesfalls bei Salukis!

Der selbe Hund, mit nach innen gestellten Vorderpfoten, dabei mit nach vorn durchhängenden Vorderfußwurzel Gelenken. Das ist ein gravierender anatomischer Fehler.

Pfoten müssen etwas nach außen gedreht sein, damit der Hund bei der Jagd besser Balance halten kann. Man kann es vergleichen mit einem Sportwagen, bei dem die Reifenspur verbreitet wurde, um in Kurven eine bessere Bodenhaftung zu erreichen.

Dieser Rüde trabt energisch, raumgewinnend, kräftig und ökonomisch. Seine Hinterhand fußt zudem früher ab, er hat einen guten Schub aus der Hinterhand. Seine Bewertungen reichen von sg über V bis zum CAC Reserve.

Es gibt einen Standard, nach dem man sich richten muß. Die Zuchtrichter haben eine große Verantwortung. In ihren Händen liegt es, den jahrtausende alten Salukityp zu erhalten, nicht an den Züchtern! Man kann bei Züchtern nicht unbedingt voraussetzen, daß sie den Ursprungstyp erhalten, wenn sie fast nur noch als Lückenfüller einer Schau fungieren. Den Frust möchte keiner haben. Auch ist ein zurückhaltendes Wesen typisch für unsere Rasse, doch solche Hunde werden oft genug vom Richter ausgemustert oder abgewertet. Stoisch da stehende Denkmäler hingegen aufgewertet. Und so züchten viele Neulinge hemmungslos zusammen, was den Richtern gefällt. Und genau das ist eine ernste Gefahr für unsere Rasse, sie wäre nicht die erste, die somit innerhalb kürzester Zeit kaputt gezüchtet wurde. Die Afghanen, Greys und teilweise Whippets hat man ja bereits ruiniert und in Lager gespalten.

Dem Siegerrüden links sieht man den dressurpferdemäßigen schwebenden Trab an. Seine überwinkelten Gelenke, sein langer weicher Rücken sind unzweifelbar ein Indiz dafür.

Der Rüde rechts hat einen wunderschönen Kopf und Ausdruck, was jedoch nach der Vorderhand zu sehen ist, mutet wie ein angesetztes Stück eines anderen Wesen an. Der kurze Rücken erinnert an einen Karpfenrücken, ferner hat der Hund eine abgeschlagene Kruppe, ist an der Grenze hinten steil gewinkelt, dadurch überbaut.

Doch wie kommt es dazu? Betrachten man beide Hunde, so repräsentieren sie die ungefähren jeweiligen Grenzen von gestatteten Winkelungen von ... bis. Richten Sie nun Ihr Augenmerk auf die Hüfthöcker beider Hunde und dann ziehen sie einen Winkel hin zum Sitzbein, dann werden sie eine offene Winkelung links sehen, einen knappen Winkel rechts. Diese Winkelung zieht alle weiteren anatomischen Begebenheiten nach sich. Die Ober- und Unterlinie entsprechen nicht mehr dem Standard.

Der erste Hund ist ein Abkömmling einer Schauzucht, der rechte teilweise auch, zudem ist er verwandt mit der Zucht des Richters.

Meine Kritik ist aus dem Blickwinkel einer Züchterin dieser Rasse zu sehen, keinesfalls soll die Liebenswürdigkeit dieser Hunde dadurch geschmälert werden. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Darum nenne ich weder die Namen der Hunde, der Besitzer, Ort und Datum von Ausstellungen. Ferner stellen die Fotografien lediglich eine Momentaufnahme dar.

 

Geschichtliches über die deutsche Salukizucht seit dem 2. Weltkrieg

Ich bin nun seit 25 Jahren "in Salukis". 1985 waren 2533 Hunde seit 1922 in Deutschland gezüchtet worden, also eine überschaubare Population. Geht man nun von diesem Datum 8 Jahre zurück, so war man bei der Zuchtbuchnummer 1842. Das waren exakt 691 gezüchtete Salukis in 8 Jahren. In dieser Zeitspanne gab es wenige große Züchter, nämlich el Riad, Mata salamatas, Bigalla's und Min Ma Sha. Die anderen Züchter hatten nicht viele Würfe, oder starben ( el Ghazal, TA Dr. Peter Faulstroh - Mumtachir ar rih, Marianne Hessing - el Saraje, Theodore Knussert ). Geht man von einer durchschnittlichen Wurfstärke von 6,9 Welpen aus, so kann man sich leicht ausrechnen, wie überschaubar alles war!

Einige Salukis wurden Pets, andere waren auf Rennen und Ausstellungen aktiv, man kannte sie und sich untereinander als kleine Salukifamilie. Starb ein Saluki, ging es via Telefon rasant durch die Szene, aus dem Sterbegrund wurde auch selten ein Geheimnis gemacht, man nahm in der Regel Anteil.

Nicht alle Hunde waren gesund, manche litten an Epilepsien, waren Einhoder oder hatten Herz- und Zahnfehler. Sie waren damals alle irgendwie mit el Saraje verwandt, denn diese Fehler oder Krankheiten durchzogen diese Zuchstätte. Kamen dann Nachfahren in anderen Zuchtstätten wieder zusammen, so traten diese Fehler wieder auf. Das geht so bis heute, und die derzeitige riesige Salukizüchterpopulation hat längst den Überblick und die Zusammenhänge aus den Augen verloren.

Nun will ich keinesfalls mit dem Finger auf el Saraje weisen. 1945 / 46 grassierte überall die Staupe und raffte bei Theodore Knussert bis auf zwei Wurfgeschwister alle Salukis hinweg, es war damals fast ein Genozit unter allen Hunden.

Diese beiden Wurfgeschwister entsprangen bereits einer Inzuchtverbindung, und Th. K. züchtete 4 Würfe mit diesen Hunden. Es war damals schwierig, im Nachkriegsdeutschland durch die Zonen zu reisen, auch gab es kaum mehr Salukis in D. Frau Knussert war ca. 30 Jahre züchterisch aktiv, in der Zeit hatte sie meiner Erinnerung nach lediglich eine handvoll outcrosses, wobei diese aber zumeist zu 50% auf ihre Zucht zurück gingen. In ihrem armen Gen Pool züchtete sie absolut schöne und attraktive Weltsieger, aber auch Salukis mit all diesen oben genannten Erkrankungen. Auch waren viele ihrer Hunde absolut scheu.

Peter Faulstroh wurde ihr Partner, aber da sie unterschiedliche Auffassungen hatten, trennten sie sich wieder. Er wollte Direktimporte in die Zucht einbringen, sie wollte das nicht. So nahm er seine von Prof. Knopf geliehene Imp. Hündin Aini für den Rüden Raqqas el Saraje unter dem Namen Sayyadin al Jesira, bis er später seinen eigenen Zwingernamen el Ghazal bestätigt bekam, und unter diesem Namen weiter züchtete. Adad und Arsak Sayyadin al Jesira gingen in die Zucht, sie hatten Zahnfehler. Unser ehem. Zuchtleiter Hermann Bürk nahm einen dieser Rüden und zog Bahram el Batal. Seine Abstammung: Adad Sayyadin al Jesira ( Raqqas el Saraje x Aini ) und E' Nisaba el Saraje ( Abdullah el Shamar x Peribanu el Saraje ).

Bahram war recht erfolgreich auf der Rennbahn und auf Ausstellungen und er produzierte damals 10 Würfe in Deutschland und Tschechien. Das war bei der damaligen Population unglaublich viel, und so findet man fast keine Würfe mehr, die nicht diesen Rüden irgendwo in ihren Ahnentafeln haben. Traf er auf andere Nachfahren von el Saraje, so war die Wahrscheinlichkeit zu diesen und weiteren ererbten Erkrankungen traurige Wahrscheinlichkeit. Besonders heftig traf es die Zuchtstätte el Tazi Mo, die nicht mehr aktiv ist. Andscha litt unter autoimmun Erkrankung ( 3/4 el Saraje ), starb früh. Der B Wurf war eine Vater - Tochter Verbindung, Arsak deckte seine Tochter Oriafa el Ghazal. In dem Wurf fielen zwei Rüden, Baasram und Balash. Ich meine, daß es Baasram war, der auch unter autoimmun Erkrankungen litt, und ständig lahmte, Verbände trug. Dieser Wurf mit der Leihhündin Oriafa war eine Wurfwiederholung eines Unfallwurfes, der nicht eingetragen wurde. Die Hunde des Vorgängerwurfes waren alle sehr schön und edel, aber litten an Epilepsien, starben jung.

Der D Wurf hatte von der Vaterseite sowie von der Mutterseite el Saraje Blut und die Hündin Dehschat einen zu kurzen Unterkiefer, welches zwar keine Krankheit, aber ein Schönheisfehler ist.

Der E Wurf war eine Verbindung, in der zwei Großväter auf der Vater- und Mutterseite Wurfbrüder waren. Diese Wurfbrüder hatten Bahram el Batal als Vater in ihren Pedigrees. Einige dieser Hunde waren im Rennsport aktiv, andere wurden aus den Augen verloren, weil sie Familienhunde, und nicht aktiv im Windhundgeschehen wurden. Enzohrossa litt an Epilepsien und bekam manchmal drei Anfälle täglich, bis er erlöst wurde.

Erst hier offenbahrte sich einigen Züchtern ein Zusammenhang. Man besaß einfach nicht das heutige Wissen und wollte ganz sicher nicht kranke Hunde züchten. Auf die Züchter mit dem Finger zu weisen, ist definitiv der falsche Weg, denn so trägt man nur zur Verheimlichung solcher Ausfälle bei, und das nutzt der Zucht ganz sicher nicht!

Tatsache aber ist, daß aus Selbstschutz vor Hetzkampagnen viele Züchter nicht über Erbkrankheiten in ihrer Zucht sprechen, neue Züchter sich ohne Hintergrundwissen in die Zucht stürzen, aus dem Ausland wild importieren, wo man nun fast gar nichts weiß, und somit zur Verbreitung von Erbkrankheiten beitragen.

Ende der 80er Jahre wurde es Mode, Hunde aus den USA zu importieren. Diese ( Kurzhaar ) Importe trugen mehrere Totumfaller und auch Epilepsie in diese Zuchtstätte. Nun ist Skandinavien in Mode. Skandinavien ist förmlich durchseucht mit kranken Hunden, damit will ich sagen, daß es dort meines Wissens überhaupt keine Ahnentafeln mehr gibt, wo nicht irgendwelche Vorfahren oder deren Wurfgeschwister an autoimmun Erkrankungen gestorben sind, oder Epileptiker waren. Gerade gegenwärtig ist eine Hündin vielleicht tragend von einem Rüden aus Skandinavien, der beide Erkrankungen im Pedigree führt, nämlich über die Wurfgeschwister von Ibn Ibiz und Rayyan Hilal.

Es wird mittlerweile unüberschaubar, und somit geht unsere Salukipopulation successive auch den Bach herunter, aus dem Bach wird ein schnell fließender Strom, dann ein Wasserfall.

Meine Mamnounas sind definitiv frei von Herzkrankheiten und Epilepsien, habe keinen Kryporchismus oder Totumfaller in meiner Zucht oder sonstige Erbkrankheiten. Meine Hunde sind ein ( in D wohl letztes ) genetisches Reservoir erbgesunder Hunde, welches Glück ist, welches aber auch mit nur einer suspekten Partnerwahl ruiniert werden kann. 

Krankheiten mendeln sich nicht so einfach aus, sie treten auch nach Jahrzehnten erneut auf, wenn die Zuchtpartner Träger des verantwortlichen Genes sind. Anlagen treten auch nach 8, 10 oder mehr Generationen wieder hervor, meist jedoch schneller.

In den USA hat man große Probleme bezüglich Herzerkrankungen und anderen Krankheiten. Wie leichtsinnig, ohne größtmögliche Gewißheit Hunde von dort in die hiesige Zucht einzusetzen. Und wenn man es schon macht, dann unbedingt zwei Würfe mit der Hündin, wobei der andere Zuchtpartner von hier und wirklich einwandfrei sein muß.